Familiengeschichte im Sommer?

Je weiter der Sommer voranschreitet, desto näher rückt Weihnachten. Weihnachten? Nur noch 17 Wochen: Freunde der Weihnachtszeit frohlocken, Sonnenanbeter denken vielleicht eher mit Schrecken an die nasskalte Winterzeit. Dabei kann es so einfach sein, sich auf kürzere Tage und längere Abende zu freuen. Gemeinsames Erzählen und Zuhören der Geschichten „von früher“ sind ein erster Anfang; ein modern gestalteter Stammbaum, vielleicht mit Fotos der Liebsten, ein persönliches Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Fangt heute an und sammelt Daten, Fakten und Geschichten, stöbert in alten Fotoalben oder Briefen und in Archiven nach Hintergrundinformationen. Lasst aus Vorfahren auf blassen Fotos Persönlichkeiten werden. Ob auch sie damals die letzten warmen Sonnenstrahlen im Garten genossen und haben?

Opas Geschichten zur Ferienzeit

Das Schöne an lauen Sommerabenden auf der Terrasse ist nicht nur gutes Essen und ein sanft perlender Riesling, sondern vor allem die Gesellschaft. So wie gestern Abend, als spontan gute Freunde vor der Tür standen.

Je später der Abend wurde, desto hörbarer zirpten nicht nur die Grillen, sondern wurden auch die Geschichten zunehmend persönlicher. Plötzlich war das Begräbnis von Opas Hund so urkomisch, wie es nur unter Freunden erzählt werden kann, die auf diese Art und Weise weniger Trauer verarbeiten, als vielmehr die liebevollen Eigenheiten des (zum Glück nicht anwesenden) Seniors zum Besten bringen. Eine dieser Eigenheiten besteht darin, dass er Geld lieber behält statt es auszugeben, schon gar nicht der Stadt, die allmonatlich Hundesteuer in Höhe von 13,80 € kassiert. Aber musste denn im letzten Jahr sein treuer Weggefährte auf vier Pfoten ausgerechnet am 2. eines Monats versterben? Der Senior, gewiefter Jurist und auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen, wies beim Hundebegräbnis im eigenen Garten seinen Enkel also an, den Leichnam in die alte (und ausführlich gelesene) Zeitung vom 30. des Vormonats zu betten, nur für den Fall, dass jemand „vom Amt“ nachsehen werde, ob der Hund auch, wie angegeben, ordnungsgemäß am 30. verstorben sei und nicht etwa am 2. Denn sonst hätte der Besitzer ja mindestens 29 Tage lang umsonst die Hundesteuer zahlen müssen – 12,90 € für die Katz!

Solche Geschichten schreibt wirklich nur das Leben! Haltet sie fest und verwahrt sie für Eure Kinder. Egal wann, wo und wie.

Lieblingsfamilienfoto

Warum habe ich ein altes, schwarz-weißes Foto als Titelbild gewählt? Aus drei Gründen, die passender zum Schreiben von Biografien nicht sein könnten. Erstens geht es um das Thema Schreiben – eine Sechsjährige lernt die ersten Buchstaben. Zweitens zeigt es auf wunderbare Weise, wie wichtig das Miteinander verschiedener Generationen und das Weitergeben von Wissen ist – ein Großvater vermittelt seiner Enkelin, was sie für ihr Leben nicht vergessen wird. Vielleicht erzählte er ihr nebenbei, wie er 1870 einst schreiben lernte? Und nun zum dritten und schönsten Grund, warum ich mich ausgerechnet für dieses Bild entschied: Es entstand vor bald 90 Jahren 1929 und zeigt meine Großmutter mit ihrem eigenen Großvater. Was bzw. wer auf dem Bild nicht zu sehen ist: Sie sitzen in der Küche eines wunderbaren alten Fachwerkhauses, vor dessen Eingang eine große Linde im Sommer Schatten spendet, sprechen „Mücher Platt“, im Hintergrund streiten sich zwei kleine Brüder darum, wer mit dem Hund spielen darf, und auf dem Herd stehen eine Kanne Kaffee und eine Pfanne mit Bratkartoffeln, Speck und Zwiebeln. Kind und Opa werden vom Onkel des Mädchens fotografiert, einem Düsseldorfer Dentisten und Hobbyfotografen, der wahnsinnigen Spaß daran hat, die einzige Nichte bei jeder sich passenden Gelegenheit abzulichten.

Was verbindet Ihr mit besonderen Fotos aus dem eigenen Familienalbum? Kennt Ihr die Hintergründe oder Zusammenhänge rund um alte Bilder und Personen? Hier ein praktischer Tipp für alle: Kein Bild sollte unbeschriftet bleiben, Jahreszahl und Namen der abgelichteten Personen sind ein Muss auf der Rückseite eines jeden Papierabzugs. Wenn Ihr nicht mehr wisst, wer es ist, fragt diejenigen, die es noch wissen könnten. So erhalten Familienfotos noch viel länger ihren Wert.

Wie alles anfing

„Machen Sie sich doch selbstständig!“, riet mir 2003 ein Kollege in der Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe, nachdem ich meine Promotion im Fach Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Bonn beendet hatte. Ich war auf der Suche nach neuen Ufern und einem Beruf mit Leidenschaft. Handfest sollte die Tätigkeit sein, aber auch schöngeistig. Mit neugierigen, aufgeschlossenen Menschen wollte ich zusammenarbeiten und gleichzeitig mein Fachwissen anwenden. Außerdem wollte ich gerne organisieren und in alten Akten stöbern, Rätsel lösen. Historiker sein hat übrigens sehr viel mit Rätsellösen zu tun, und ich fühlte mich nach dem Geschichtsstudium an zwei renommierten Universitäten in Bonn und München ganz gut ausgebildet in dieser kreativen Disziplin. Also gründete ich die Agentur für AutoBiografien und begann, Biografien für andere Menschen zu schreiben. Mein erster Kunde war ein ehemaliger Lederfabrikant, der am Ende seines Lebens regelrecht aufblühte, als er mir ausführlich von seinem Leben erzählte. Seither habe ich vielen Kunden aus unterschiedlichen Branchen und Regionen Deutschlands zu eigenen Büchern verholfen. Immer wieder neue Konzepte zu entwickeln, zu recherchieren und in einem hervorragenden Team Druckprozesse individueller Buchprojekte zu begleiten ist auch 14 Jahre nach der Gründung eine spannende Herausforderung.